Am vergangenen Dienstag, dem 7. Juli, wurde die Botschaft von Kolumbien in Berlin zum Epizentrum des technologischen Austauschs: Kolumbianische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Forschende sowie Fachkräfte kamen zusammen, um über die Zukunft der Künstlichen Intelligenz (KI) zu diskutieren.
Berlin, Deutschland. Mit dem Ziel, Brücken zwischen wissenschaftlichen Talenten im Ausland und den Entwicklungsbedürfnissen in unserem Herkunftsland zu schlagen, fand das Erste Treffen für Künstliche Intelligenz der kolumbianischen Diaspora in Deutschland statt. Die Veranstaltung wurde gemeinsam vom Forschungsnetzwerk der kolumbianischen Diaspora in Deutschland (Red Investigación de la Diáspora Colombiana en Alemania) sowie den Alumni-Netzwerken der Universidad Nacional de Colombia und der Universidad de los Andes in Deutschland organisiert.
Die Veranstaltung brachte insgesamt 270 Teilnehmende zusammen – darunter 202 Personen im virtuellen Raum in Kolumbien und 69 Mitglieder der Diaspora vor Ort und online –, was die hohe fachliche Diversität und das technologische Engagement der Gemeinschaft unterstrich.

Eine institutionelle Eröffnung mit Zukunftsvision und ethischer Verantwortung
Der Eröffnungsblock war geprägt von einem starken Aufruf zum gemeinsamen Handeln und zur gesellschaftlichen Teilhabe. Botschafterin Yadis Salazar Mejía eröffnete die Veranstaltung und hob die wachsende Bedeutung der kolumbianischen Gemeinschaft in Deutschland hervor, die inzwischen rund 40.000 Personen umfasst – davon 60 % Frauen. Salazar Mejía betonte die strategische Rolle der Diaspora in der kolumbianischen Außenpolitik und lud die Anwesenden dazu ein, ihre Profile auf der offiziellen Plattform der Diaspora sichtbar zu machen. Zudem berichtete sie über Fortschritte bei der Ausarbeitung eines bilateralen Sozialversicherungsabkommens.
Auch die kolumbianische Hochschullandschaft war hochkarätig vertreten. Der Rektor der Universidad Nacional de Colombia, José Ismael Peña Reyes, betonte die grundlegende ethische Dimension von KI und rief zu einer geteilten gesellschaftlichen Verantwortung für die Zukunft dieser Technologie auf. Die Rektorin der Universidad de los Andes, Raquel Bernal Salazar, hob hervor, dass Kolumbien nicht bloß Zuschauer der globalen technologischen Transformation bleiben dürfe, sondern sich aktiv an der Gestaltung und Entwicklung dieser Systeme beteiligen müsse.
Die strategische und regulatorische Perspektive Kolumbiens wurde von Dr. Alejandro Bueno, Direktor für digitale Entwicklung bei der Nationalen Planungsbehörde (Departamento Nacional de Planeación – DNP), vorgestellt. Er präsentierte die nationale KI-Strategie (CONPES 4144), die 106 konkrete Maßnahmen und ein öffentliches Investitionsvolumen von über 471 Milliarden COP umfasst.
Die Vertreter der Netzwerke, Andrés Campo (Alumni Uniandinos) und César Lizarazo (Leiter der Alumni der Universidad Nacional in Deutschland und Co-Leiter des Forschungsnetzwerks), schlossen das Segment ab. Sie beleuchteten die Herausforderungen der Erklärbarkeit komplexer KI-Modelle („Black Boxes“), sprachen über neue Schnittstellenrollen zwischen Neurowissenschaften und Technologie und motivierten die Teilnehmenden, die entstehenden Chancen aktiv zu nutzen.
Zukunftsweisende Fachvorträge: Von Unternehmensdigitalisierung bis zur indigenen Perspektive
Der zweite Teil der Veranstaltung bot ein vielfältiges Spektrum an Praxisbeispielen, Spitzenforschung und methodischen Reflexionen:
- Unternehmensinnovation und Effizienz: Laura Gabriela Tamayo Rojas teilte die Erfolgsgeschichte ihres Unternehmens AINOVIX GmbH und zeigte auf, wie der Einsatz KI-basierter Dokumentenklassifikatoren die Bearbeitungszeiten bei Kunden um 90 % reduzieren konnte.
- Bildung und soziale Inklusion: Bildungsgerechtigkeit stand im Fokus von Natalia Andrzejewski, die ihr Projekt Clearpage vorstellte – eine lokale Lese-App zur Unterstützung von Menschen mit Legasthenie. Ergänzend dazu führte Laura Alejandra Paz Chávez durch die Entwicklungsschritte von der reinen KI-Nutzung hin zur didaktischen Konzeption moderner Lernerfahrungen.
- Technologie und Migration: Juan Carlos Orozco präsentierte MigrAId, einen generativen Leitfaden, der darauf abzielt, bürokratische und rechtliche Barrieren für kolumbianische Migrantinnen und Migranten in Deutschland abzubauen und informellen Unterstützungsnetzwerken eine strukturierte Basis zu geben.
- Softwareentwicklung und technische Methoden: David Mayorga thematisierte die Auswirkungen von Spec Driven Development in Kombination mit fortschrittlichen KI-Werkzeugen (wie ChatGPT und Claude Code) auf die moderne Softwareentwicklung und technische Dokumentation.
- Biotechnologie und Gesundheit: Im Bereich der Lebenswissenschaften legte John Alexander Galindo dar, wie KI-gestütztes Impfstoffdesign und Protein-Sprachmodelle die sichere und präzise Identifikation von Impfstoffkandidaten beschleunigen können.
- Technologieadoption im Mittelstand: Iván Becerra analysierte die Herausforderungen kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) in Kolumbien. Er argumentierte, dass die Haupthindernisse oft in Prozessen, Datenqualität, Talent und Vertrauen liegen und empfahl, Kernprozesse zu strukturieren, bevor KI-Lösungen implementiert werden.
- Indigene Weisheit und Kosmovision: In einem besonders reflektierten Beitrag brachte Rafael Mercado die Wayuwaa-Perspektive ein und mahnte an, moderne Technologien achtsam zu integrieren, ohne das mündlich überlieferte Wissen und die Stimmen der Ältesten zu verdrängen.

Ko-Kreation und Stärkung des wissenschaftlichen Netzwerks
Der abschließende Teil des Treffens war der partizipativen Zusammenarbeit gewidmet. Sowohl vor Ort als auch online fanden sich die Teilnehmenden in thematischen Arbeitsgruppen zusammen: Bildung, KI & Gesellschaft, Automatisierung & Embedded Intelligence, Lernprozesse, Umwelt, Gesundheit, Infrastruktur, Projektvalidierung & -strategie sowie Öffentlicher Sektor. Diese Runden boten Raum für intensiven Austausch, Vernetzung und die Initiierung konkreter Kooperationsprojekte.
Zum Abschluss stellte Walter Acevedo die Mission des Forschungsnetzwerks der kolumbianischen Diaspora in Deutschland vor. Als eines der vier vom kolumbianischen Außenministerium unterstützten Fachnetzwerke setzt sich die Initiative dafür ein, in Deutschland tätige kolumbianische Forschende zu vernetzen, deren wissenschaftliche Arbeit sichtbar zu machen und die bilaterale Wissenschaftskooperation nachhaltig zu vertiefen.

Mit diesem ersten Treffen bekräftigt die kolumbianische Diaspora in Deutschland ihr Potenzial, durch fundiertes Wissen, technische Exzellenz und gesellschaftliches Engagement konkrete Beiträge für Kolumbien und Europa zu leisten.
Möchten Sie Teil künftiger Initiativen werden oder sich mit Forschenden unseres Netzwerks austauschen? Registrieren Sie Ihr Profil hier und folgen Sie den Kanälen des Forschungsnetzwerks für künftige Kooperationen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Robotik, Umweltwissenschaften und weiteren Fachgebieten.




